Förderverein Marienkirche Rötha
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MARIENKIRCHE RÖTHA E.V.
Die Marienkirche
Unter dem Patronat des Leipziger Nonnenklosters St. Georgen erfolgte etwa 1510/11 die Grundsteinlegung zur Errichtung des heutigen Gotteshauses als ein Wallfahrtsort zur Verehrung der Gottesmutter Maria. Mit diesem Bau knüpften die Nonnen an ein älteres hölzernes Kapellchen an, dessen Entstehung auf die Geschichte über einen wundertätigen Birnbaum zurückgeführt wurde. Laut urkundlichem Beleg war die neue, ganz aus Stein ausgeführte Kirche bis 1518 fertiggestellt. Nach der unter Herzog Heinrich dem Frommen in Sachsen 1539 eingeführten Reformation wurde sie als eine Gottesackerkirche im protestantischen Glauben geweiht.
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Marienkirche Rötha Geschichte
Der Außenbaukörper
Die Umfassungsmauern des spätgotischen Saalbaus sind von hohen dreibahnigen Spitzbogenfenstern aus rotem Porphyr zwischen Strebepfeilern gegliedert. Den Westabschluss des Kirchenschiffes bildet ein Mauergiebel mit reizvoller Blendarchitektur von rotem Backstein. Die drei spitzbogigen Durchgangsöffnungen zum Schiff und der heute von innen vermauerte Zugang zum östlichen Chorpolygon dienten zunächst als Wallfahrerportale. In den Flächen des hohen Satteldachs waren ursprünglich insgesamt 15 Gauben angeordnet und dem First ein etwa 14 m hoch ragender, spitzer Dachreiter aufgesetzt. Er fiel 1932 einem Sturm zum Opfer, was zu Zerstörungen des Daches führte und die Kirche in der Folgezeit dem Verfall preisgab. Erst nach 1950 wurde das Dach vollständig erneuert.
An den Chor war nach Norden ein Oratorium (Bethaus) angefügt, das äußerlich noch heute durch einen Stufengiebel mit Blendarchitektur und zweibahnigen Vorhangbogenfenstern hervorgehoben wird. Dort standen den Pilgern in seinen beiden Geschossen zwei separate Kapellenräume zum Gebet zur Verfügung, die innerlich keine Verbindung hatten. Seit nachreformatorischer Zeit wird die untere Kapelle als Sakristei genutzt, während die im ersten Obergeschoss bis 1945 als herrschaftliche Betstube für den Kirchenpatron eingerichtet war.
Das heutige Erscheinungsbild des gesamten Außenbaukörpers der Kirche ist vor allem das Ergebnis der letzten Instandsetzung zwischen 1991-1997, die mit einer Rekonstruktion von Putz und Farbigkeit nach spätgotischen Analogien verbunden war.
Das Kircheninnere und seine Ausstattung
Auch das Innere der Kirche ist geprägt von den charakteristischen Bau- und Zierformen der Erbauungszeit. Über einer Grundfläche von 24,80 x 12,50 m werden das Kirchenschiff und der nach Osten in ganzer Breite anschließende Chor von einem bis zu 13 m hoch ansteigenden, dreijochigen Netzrippengewölbe überspannt. Für die Ausmalung dieses Gewölbes dienten Pflanzenmotive aus dem "hortus sanitatis" (Garten der Gesundheit), einem der ersten gedruckten Kräuterbücher des Mittelalters, als Grundlage. Bei der Wiederherstellung der Malerei zwischen 1950 bis 1957 wurden Originalflächen in die Gesamtrekonstruktion eingebunden.
Der Heilsweg der Pilger führte ursprünglich durch das Mittelschiff wohl vorbei an einer Anzahl von Gnadenbildern zur Verehrung Marias. Dazu wird die Mondsichelmadonna gezählt, die heute vor der nördlichen Pfeilervorlage des Triumphbogens aufgestellt ist. Sie ist dem sächsischen Bildhauer und Bildschnitzer Stephan Hermsdorf zugewiesen und um 1520 datiert.
Das liturgische Zentrum des Heilwegs aber bildete der geschnitzte Dreiflügelschrein. Seine Provenienz und die Datierung sind nicht belegt. Infolge der stilistischen Merkmale wird die Entstehung nur wenige Jahre nach Vollendung des Kirchen- gebäudes, etwa zwischen 1525-1530 angenommen. Zugeschrieben ist er einem "Meister von Rötha", der vermutlich aus der bedeutenden Plastikerschule des niederbayrischen Bildschnitzers Hans Leinberger aus Landshut stammte.
Die Entstehung von Kirche und Altar fallen in die Zeit der Reformation und damit an die Schwelle zum Beginn der Neuzeit. Deshalb ist die Architekturgliederung des Schnitzwerks bereits in schlichten Renaissanceformen ausgeführt, gleichzeitig aber noch mit spätgotischer Ornamentik vermischt. Die Oberflächen von Schrein, Figuren und Dekor blieben holzsichtig. Das Bildprogramm wurde der Geschichte der heiligen Jungfrau Maria gewidmet. Im Mittelschrein ist ihre Krönung durch Christus und Gottvater dargestellt. Die Seitenflügel sind besetzt mit Halbfiguren, links Johannes der Täufer und Apostel Andreas, rechts die Nothelferinnen Katharina und Barbara. Im Gesprenge sind die Ganzfiguren der Heiligen Mauritius, Georg und Florian aufgestellt. Das Reliefbild im Rundbogenfeld über dem Mittelschrein schildert die Begegnung von Joachim und Anna, dem Elternpaar Marias, vor der goldenen Pforte von Jerusalem. Diese Darstellung wurde seit nachreformatorischer Zeit irrtümlich mit der wundersamen Entstehungsgeschichte der Wallfahrt in Rötha in Verbindung gebracht. Das Schnitzrelief in der Predella zeigt die Abendmahlsszene. Es wurde 1948 gestohlen und galt seitdem als verschollen. Erst nach seiner unerwarteten Wiederentdeckung im Jahr 2012 konnte es an den alten Standort zurückgeführt werden.
Im Anschluss an den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) setzte unter dem Patronat der Adelsfamilie von Friesen auf Rötha seit den 1687iger Jahren eine Erneuerung der liturgischen Ausstattung ein. Der Altar blieb als wichtigstes Prinzipalstück gewahrt. Neu hinzu kamen die hölzerne Taufe mit eingravierter Datierung von "1683" in der messingnen Taufschale. Wenige Jahre später wurde die prächtige Kanzelanlage an der südlichen Pfeilervorlage des Triumphbogens errichtet. Der zugehörige Schalldeckel gilt seit 1964 als vermisst. Der vorhandene wurde deshalb 2012 in der nach historischen Fotos belegten achtstrahligen Sternform und in seiner exakten Größe rekonstruiert.
Zu den ergänzten Prinzipalstücken zählt auch ein Beichtstuhl, der, wenn auch nicht mehr vollständig, heute zu denen im evangelischen Kirchenraum selten gewordenen Zeugnissen für die nachlutherische Frömmigkeitspraxis und Pflege der Privatbeichte gehört.
Unter dem Patronat von Christian August Freiherrn von Friesen auf Rötha (seit 1717-1737) wurde die barocke Umgestaltung des Kircheninnenraums schließlich vollendet. So beauftragte er 1721 den Orgelbaumeister Gottfried Silbermann mit dem Bau einer neuen Orgel. In diesem Zusammenhang veranlasste er wohl auch den Einbau der Emporen und ließ dem wohlhabenden Bürgerstand sowie den Familien der Geistlichen im Chor geschlossene Betstühle bereitstellen. Der Herrschaftsstand im ersten Obergeschoss des Nordanbaus wurde zum Chorraum durch ein herauskragendes, dekorativ gestaltetes Holzgehäuse geöffnet. Abschließend erhielt die gesamte liturgische Ausstattung unter Einbeziehung der älteren Teile einschließlich des spätgotischen Altarschreins eine dekorative Bemalung im sogenannten Régence-Stil.
Die Ausführung geht vermutlich auf den königlich-polnischen und kurfürstlich- sächsischen Hof- und Jagdmaler Johann Christian Buzäus (gest. 1735) zurück. Bei der Restaurierung des Kircheninnenraums zwischen 2004 bis 2008 konnte der barocke Charakter dieser Dekorationsmalerei auf der Ausstattung nahezu unverfälscht gewahrt bleiben.