Förderverein Marienkirche Rötha
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MARIENKIRCHE RÖTHA E.V.
Die Gottfried Silbermann Orgel von St. Marien
1721 Am 12. November schloss Christian August Freiherrn von Friesen auf Rötha mit Gottfried Silbermann (1683-1753) den Vertrag zum Bau einer neuen Orgel für die Marienkirche. Sie wurde mit einem Manual, 9 Registern und einem Tremulant ausgestattet.
1722 erfolgte ihre Weihe.
1834 erfuhr das Instrument durch den Orgelbauer Urban Kreutzbach (1796-1868) erste technisch und klanglich nachhaltige Veränderungen. Er baute eine Pedalkoppel ein, entfernte den Tremulanten und legte eine gleichschwebende Temperatur. Die Tonhöhe des Chortones blieb dabei erhalten.
1917 Während des Ersten Weltkrieges mussten die 29 oberen, stummen Prospektpfeifen zur Metallgewinnung abgegeben werden.
1935 Im Rahmen einer Reparatur durch die Firma Hermann Eule werden die 1917 eingeschmolzenen Prospektpfeifen durch neue ersetzt. Einer der ursprünglich zwei Keilbalgen wird entfernt und durch einen Elektroventilator ersetzt.
1942 erfolgte die Auslagerung der Orgel, da sich die Kirche zu diesem Zeitpunkt in einem zunehmend baulich vernachlässigten Zustand befand.
1950 Während des Bachfestes wurde das Instrument zunächst im Saal des Alten Rathauses Leipzig, anschließend in Berlin gezeigt.
1960 Erst nach der Erneuerung des kompletten Kirchendachs und der inneren Instandsetzung von St. Marien kehrte die Orgel endlich an ihren alten Standort nach Rötha zurück.
2007 beginnt die umfassendste Restaurierung der Orgel. Ihre Grundsubstanz entsprach im wesentlichen der Entstehungszeit. Doch musste nach einer historisch vertretbaren Alternative für die von Kreuzbach 1834 gelegten gleichschwebenden Temperierung gesucht werden, die der Vorstellung Gottfried Silbermanns nahe kommen sollte. Der entfernte Tremulant wurde nach Originalvorbildern von vergleichbaren Orgeln rekonstruiert. Viel Wert wurde auch auf die Instandsetzung und die Restaurierung von Traktur, Klaviaturen und Pfeifenwerk gelegt. Jüngere Austuchungen der Traktur mussten entfernt werden, um die alte Spielart wiederzugewinnen. Die Kanäle erhielten ihre ursprüngliche Trennung zwischen Manualwerk und Subbaß. Auch das verlorene Gehäusedach wurde nach ablesbaren Befunden ergänzt. Wegen mangelnder Befunde an den Pfeifen zur ursprünglichen Temperierung wurde sie an der überlieferten Silbermann-Sorge-Stimmung orientiert.
2008 Seit Abschluss der Restaurierung verfügt das Instrument wieder über einen Klang, der dem von Gottfried Silbermann 1722 eingerichteten sehr nahe kommt.

Auf der Gottfried Silbermann Orgel von St. Marien in Rötha erklingt:
J.S. Bach (1685-1750) "Meine Seele erhebt den Herrn", BWV 733, Fuge über das Magnificat
Gespielt von Elisabeth Höpfner, Kantorin

Marienkirche Rötha Orgel
Marienkirche Rötha Orgel
Marienkirche Rötha Orgel
Marienkirche Rötha Orgel

Felix Mendelssohn Bartholdy in Rötha

Neben der Marienkirche verfügt auch die ältere Georgenkirche in Rötha über eine Orgel aus der Werkstatt Gottfried Silbermanns. Diese war schon 1718 als die größere mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal beauftragt worden.

Etwa 120 Jahre später unternahm Felix Mendelssohn Bartholdy am 21. Juni 1840 von Leipzig aus mit dem Singverein "[...] eine große Landparthie nach einem Städtchen Rötha, wo 2 Silbermannische Orgeln sind, ein Theil des Chors fuhr hinaus und sang mir mein Ave Maria und meine Nonnenchöre, auch mehrere Lieder vor, die ich an den schönen Orgeln begleitete, dann spielte ich Bachsche Fugen und Phantasieen, dann wurde gegessen und gesungen, dann in die zweite Kirche gezogen und gesungen und gespielt."
(aus einem Brief Felix Mendelssohn Bartholdys an seine Mutter vom 22. Juni 1840).

Dieser Ausflug fiel in das Jahr, das einen Höhepunkt in der Karriere des großen Musikers als Organist markieren sollte. Wenige Wochen später veranstaltete Mendelssohn am 6. August in der Thomaskirche Leipzig ein viel beachtetes Orgelkonzert zugunsten des Bach-Denkmals.
In Erinnerung an seinen Besuch in Rötha veranstaltet der Förderverein für die Restaurierung der Marienkirche Rötha und ihrer Silbermannorgel e.V. in Kooperation mit dem Mendelssohn-Haus Leipzig seit 2007 jährlich ein Gedenkkonzert.

Marienkirche Rötha Orgel